Zukunftskompetenzen sind überfachlich und fachimmanent erwerbbare Wissenselemente, Fähigkeiten und Werthaltungen, die es dem Individuum im Arbeits-, Privat- und gesellschaftlichen Leben des 21. Jahrhunderts erlauben, unter komplexen, unsicheren und hoch-emergenten Bedingungen selbstbestimmt und wissenschaftlich reflektierend sowohl individuellen Bedürfnissen als auch gesellschaftlichen Herausforderungen verantwortungsvoll gestaltend zu begegnen.
1. Teamkompetenz, da die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft so komplex sind, dass sie sowohl nur interdisziplinär als auch nur in Gemeinschaft lösbar sind.
2. Komplexitäts- und Ambiguitätskompetenz, da eine von Vieldeutigkeit und Heterogenität geprägte Gesellschaft, den souveränen Umgang mit komplexen Systemen und das Akzeptieren von Mehrdeutigkeiten und Perspektivenvielfalt durch resiliente Persönlichkeiten braucht, um zusammen zu halten.
3. Digitale Kompetenz, denn im digitalen Wandel brauchen wir Menschen, die digitale Technologien, Daten und Medien zu nutzen verstehen, im Bewusstsein, welche Auswirkungen dies auf die Gesellschaft und jeden Einzelnen in Bezug auf deren Freiheiten und Rechte hat.
Der Studienbereich, den ich leite, bietet für Studierende aller Studiengänge in ihren Wahlbereichen überfachliche Möglichkeiten individueller Profilierung an. Diese Profilierung kann in sieben zur Auswahl stehenden Profillinien und auch quer über alle hinweg erfolgen. Die Profillinien orientieren sich an den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zukunft. Dazu gehören Diversität, Digitale Transformation, Demokratie und gesellschaftlicher Wandel, Internationalisierung, Interkulturalität und Sprachen, Wissenschaftskommunikation und Transfer sowie Interdisziplinarität und Nachhaltigkeit. In jeder Profillinie sind Future Skills ein integraler Bestandteil, so fördern wir systematisch Future Skills für alle.
Das ZfS bereitet Menschen nicht durch reines Tool-Training, sondern durch eine ganzheitliche Kompetenzentwicklung auf die KI-geprägte Arbeitswelt vor. Im Mittelpunkt stehen die miteinander verbundenen Bereiche KI verstehen, anwenden, reflektieren und mitgestalten, die auf den Aufbau fundierter Urteilskraft zielen. Dabei werden technische, ethische, rechtliche und gesellschaftliche Dimensionen von KI integriert betrachtet. Ziel ist es, Menschen zu befähigen, den Einsatz von KI kontextsensibel zu bewerten, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen und ihre eigene Handlungsfähigkeit im Umgang mit KI kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Trotz der wachsenden Leistungsfähigkeit von KI bleiben zentrale menschliche Kompetenzen unverzichtbar und sollten nicht delegiert werden. Dazu zählen insbesondere Urteilskraft und Verantwortung für Entscheidungen, die Definition von Zielen und Sinn, kritisches Denken sowie die Fähigkeit zur Einordnung von Ergebnissen. Ebenso bleiben soziale und kommunikative Kompetenzen, kreative Problemdefinition und ethische Abwägungen genuin menschliche Aufgaben. Während KI vor allem bei der Verarbeitung von Informationen und der Generierung von Optionen unterstützt, liegt die Steuerung, Bewertung und verantwortliche Nutzung weiterhin beim Menschen.
Abgesehen davon, dass die ich die reine Zweckorientierung von Bildung in Frage stellen würde, vermitteln Hochschulen zunächst vor allem fachliches Wissen und Methodik in spezialisierender Progression. Zusätzlich aber – wie Prof. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats gerade erst wieder feststellte und wie es auch dem allgemeinen Verständnis entspricht – vermittelt sie auch „kritisches Denken, Ambiguitätstoleranz und Urteilsfähigkeit“ und viele andere Future Skills. Letztere aber sind zwar mitgemeint, aber selten im Fokus der Didaktik. Und hier sehe ich die größte Lücke. Was Menschen in Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft in einer von hoher Wandlungsgeschwindigkeit geprägten Zeit benötigen, ist ein breites Repertoire selbstbestimmter Handlungsfähigkeit. Wissen veraltet schnell, Technologien wie z.B. KI zeigen wie Disruption wirken kann. Je schneller und disruptiver der Wandel sich gestaltet, desto stärker sollte der Fokus auf Future Skills ausgerichtet werden. Dies erfordert einen Shift in Richtung Future-Skills-Didaktik.
Wir sollten das eine nicht ohne das andere tun. Jede Entwicklung von technischen Fähigkeiten benötigt auch immer eine Auseinandersetzung mit Haltung und Verantwortung. Auch Methoden wie beispielsweise quantitative Statistik benötigen Data Literacy. Daten effektiv zu sammeln, zu verstehen, zu analysieren und zu nutzen erfordert zugleich, dass Chancen und Risiken im Umgang mit Daten und digitalen Innovationen nach verantwortungsvollen und ethischen Grundsätzen abgewogen werden.
Ich würde in allen Gutachtergruppen zur Akkreditierung von Studiengängen neben Vertreterinnen und Vertretern aus der Interessensgruppen der Hochschullehrenden, der beruflichen Praxis und der Studierenden auch eine Vertreterin oder einen Vertreter aus der Gruppe der Expert*innen für Future Skills einbeziehen, um den Future Skills in der Entwicklung von Studiengängen strukturell eine Stimme zu geben. Damit würde auch schon bei der Konzeption von Studiengängen der Aspekt der Future Skills mitgedacht werden und die Professionalisierung und Bildung von Expertise zu Future Skills würde an allen Hochschulen systematisch aufgebaut und gestärkt.
Für mich ist im Alltag Leadership besonders wichtig – die Fähigkeit und die verantwortungsbewusste Haltung, um erfolgreich eine Gruppe von Menschen zu leiten, zu motivieren und ihre Stärken bedürfnisorientiert zu orchestrieren, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Erst dadurch, dass ich im Zusammenspiel mit vielen hervorragenden Menschen Future Skills theoretisch und praktisch, strategisch und didaktisch durchdenke, umsetze, plane und laufend hinterfrage und weiterentwickle, entsteht der Resonanzraum, der meine Arbeit prägt und im Ergebnis immer mehr als die Summe der Teile ist.
Wir sollten die gesellschaftliche Dimension von Future Skills noch ernster nehmen. Es ist in Zeiten der Polarisierung für den Zusammenhalt von Gesellschaft und die Stärkung der Demokratie entscheidend, dass Menschen sich durch Bildung nicht nur ihrer individuellen Future Skills bewusst werden und diese stärken, sondern ebenso wichtig ist der Blick auf das System und die gemeinschaftlichen Future Skills.
Überschätzt wird die Vorstellung, es würde reichen, Future Skills in der Hochschullehre „mit zu meinen“, d.h. zu behaupten diese Handlungsfähigkeiten würden „en passant“ durch das Studium erreicht werden, ohne dass sie didaktisch intendiert und über konkrete Lernziele tatsächlich erwerbbar gemacht werden.
Die Corona-Pandemie war ein Schlüsselmoment für die Wirksamkeit von Future Skills für mich: von einem Moment auf den anderen mussten wir die Hochschullehre digitalisieren. Nur indem wir alle unsere Future Skills mobilisiert haben, konnten wir in kürzester Zeit Videokonferenzsysteme lernen, digitale Interaktion erproben, Teamkommunikation mit völlig neuen Instrumenten aufsetzen, Learning Management Systeme aufbereiten und all unsere Resilienz nutzen, um diese außergewöhnliche und disruptive Veränderung zu gestalten. Der „Chat GPT-Moment“ (Ende 2022) leitete ähnliche Erfahrun
